Libyentour 1999
Mittwoch, 25. August

Wir ließen uns Zeit mit dem Aufbruch. Kufra würden wir am frühen Vormittag erreichen. Wir wußten, daß die Straße auf den letzten 100 Kilometern vor Kufra in einem sehr desolaten Zustand war, denn das stand im Reiseführer. Doch wenn wir die Straße Marada - Braiga geschafft hatten, würden wir diese auch hinter uns bringen und zwar mit links.

Die Vögel waren nicht scheu. Vielleicht zwang sie die Hitze dazu, denn den einzigen Schatten weit und breit in der sengenden Hitze der Vormittagssonne spendete das Auto.

Leider mußten wir ihnen auch diesen nehmen, sonst wären wir aller Wahrscheinlichkeit nach selbst geschmolzen. Die Straße war immer noch flott befahrbar und blieb es auch noch für ein paar 100 Kilometer. Außer kleinen Hitzeschäden war sie nicht besonders kaputt. Man fuhr wie auf Schienen einer alten Eisenbahn (totock-totock-totock). Bei Tag sah das Gelände schon ganz anders aus. Es war heller weicher Sand, in dem aber kleine "Inseln" waren, die aussahen, als wären sie härter und somit befahrbar.

Im Scheinwerferlicht hielt ich diese für Unebenheiten, die einen Schatten warfen. Mit "Inselspringen" hätten wir bei Tageslich bessere Aussichten auf einen anständigen Nachtplatz gehabt. Man muß mit PKW eben rechtzeitig, also noch bei Tageslicht, ins Gelände fahren oder aber in Kauf nehmen, daß man mangels Alternativen irgendwo übernachten muß. Letzteres kann ich nicht empfehlen. Es wurde immer heißer. Die Nadel der Temperaturanzeige stieg über die 100er Marke. Trotzdem blieb die Klima an.

Die Luftspiegelungen, die tagsüber immer zu sehen sind, wurden hier zu riesigen "Seen mit kleinen Inseln". In Kufra soll es gutes Wasser geben.

Es dauerte zwar eine Weile, aber die Straße wurde dann wirklich schlecht. Die kleinen Risse wurden zu richtigen Rillen, die quer über die Straße verliefen und die mindestens 30 cm breit und ziemlich tief waren. Als Beilage gab es schöne Schläglöcher in allen Formen und Größen. Ich versuchte, den alten Afrikafahrertrick anzuwenden, möglichst schnell über die Schlaglöcher zu fahren. Das ließ ich nach einigen schweren Schlägen wieder bleiben. Das Auto war zu langsam, die Schlaglöcher zu groß und zu tief.

Als uns ein alter Hauber überholte, versuchte ich mitzuhalten, aber nach einigen Schlägen ließ ich es erneut sein und fand mich damit ab, daß wir mit 40 km/h vor uns hingurken mußten. In Kufra angekommen fehlten die zwei hinteren Radkappen und die Felge hinten links war leicht verbogen. Ansonsten keine Schäden.
Wir suchten als erstes einen Laden in dem es kalte Getränke gab. Danach fuhren wir zum Souk al-Jammal, zum Kamelmarkt. Dort blieben wir bis uns die Sonne zu heiß wurde.

Im Hintergrund der Kamelmarkt in Kufra. Es war 11:47 Uhr, die Sonne stand fast senkrecht und es herrschte eine unvorstellbare, trockene Hitze. Über 50° C sind bestimmt nicht übertrieben. Nun ist das der südlichste Punkt, an dem der Daimler stand. Wieder nichts mit dem Krebswendekreis.

Den Nachmittag verbrachten wir in einem Café bzw. in einem Laden und unterhielten uns mit dem Sohn des Besitzers.Er erzählte, daß seine Mutter aus Ägypten wäre und zeigte uns seine Schulhefte und brachte Mango-Saft. Er fragte, ob wir heute noch zurück fahren wollten oder ob wir nicht lieber hier bleiben wollten um die Fahrt am nächsten Tag fortzusetzen.

Wir entschieden uns dafür, aufzubrechen und wieder nach Norden zu fahren. Schließlich wollten wir rechtzeitig in Tripolis sein. Eigentlich unterhielt sich Almut mit dem Bub, während ich es vorzog, mich auf den Boden vor eine Klimaanlage zu legen und ein Auge voll Schlaf zu nehmen.

So sah die Straße in den Vororten von Kufra aus und wurde auf den folgenden über 100 Kilometer nicht besser. Nur die Querrillen und die Schlaglöcher fehlen auf diesem Stück noch.

Dummerweise vergaß ich, mich nach dem Zustand der Piste in den Sudan zu erkundigen oder selbst danach zu sehen. Es wurde einfach nicht kühler. Den Rat eines Einheimischen, das Auto besser in den Schatten zu stellen befolgte ich aufgrund meiner Faulheit eben nicht. Als wir dann aufbrachen ließ sich das Lenkrad nicht normal anlangen, es mußte ein Tuch zum Isolieren her. Am späten Nachmittag fuhren wir wieder nordwärts. Den schlechten Teil der Strecke wollten wir noch bei Tag hinter uns bringen. Klappte natürlich nicht, und so holperten wir auch lange nach Einbruch der Dunkelheit noch über die von der Sonne malträtierte Straße. Die Marschgeschwindigkeit mußte mit zunehmender Dunkelheit weiter herabgesetzt werden. Die Straße wurde naturgemäß nur sehr langsam besser.


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