Libyentour 1998
Freitag, 11. September

Die Grenze selbst hatten wir um 0:05 Uhr erreicht. Es herrschte großer Andrang und erst um 3:10 Uhr waren wir mit den Formalitäten an der Grenze fertig. Kaum waren wir wieder in Tunesien, wurde das Wechselgeld von den Zöllnern einbehalten. Aufregen bringt nichts, es ist nun mal so: Die einen haben Recht und Ordnung, die anderen dafür halt eine Demokratie. Am besten gleich weg. Solange der Diesel läuft ist man meist vor ihr sicher. Auch die libyschen Dinare wurden nicht - wie es scheinbar üblich ist - eingewechselt, auch wenn sich der Michl wieder mal besonders schlau vorkam: Ich war in so einer Barrake, um unsere Pässe abzuholen, die dort gestempelt wurden. Als ich zurückkam, stand eine Traube Tunesier um das Auto. Ich stieg ein und machte als erstes die Knöpfe herunter.
"Was los? Was wollen die?"
Michl: "Die wollen die libyschen Dinare haben. Ich habe ihnen gesagt, daß wir keine zurückbekommen haben, aber die wollen's mir nicht glauben."
"Ja mei, Michl, das ist ja auch irgendwo kein Wunder. Ich würde es Dir auch nicht glauben, wenn der Handschuhfachdeckel offen ist und das Geld offen im Rampenlicht liegt..."
"Ahhh... Hergott, Scheiße..." Ich sagte dann zu dem deutschbrockensprechenden Tunesier, daß hier nichts gewechselt wird, weil wir das alles im nächsten Jahr noch bräuchten und sie zogen nach einen kleinen Hin und Her, von dannen. Ich frage mich, warum sie es nicht einfach genommen haben ohne zu fragen.
Vor uns lagen nun 640 km bis zum Hafen von Tunis und wir fuhren noch bis etwa 66 km vor Medenine, wo wir uns einige Stunden ausruhten, hier nicht unter freiem Himmel, sondern im Auto bei verriegelten Türen und startbereitem Motor - nicht, daß am Ende der Rückweg zu Fuß oder in einer Holzkiste fortgesetzt werden muß. Kleiner Scherz. Tunesien ist nicht wirklich gefährlich, mir gefällt's dort halt nicht, erstrecht nicht, wenn man gerade aus Libyen einreist.
In der Frühe hielten wir in Medenine an um Frühstück klarzumachen, in der Hoffnung, daß wir diesmal vielleicht das Wechselgeld zurückerhalten würden. Fehlanzeige! Aber egal. Wieder dieser Drang, möglichst schnell dieses Land zu verlassen. Es gefiel uns immer noch nicht. Bis Tunis wurde nicht mehr angehalten.
Kurz vor halb drei nachmittags wurde der Tank in La Goulette (Tunis) mit dem für europäische Verhältnisse immer noch relativ billigen tunesischen Diesel gefüllt (hier bekamen wir sogar zur Abwechslung mal das Wechselgeld zurück) und dann kam die stressige Hafenprozedur.

La Gulette
Im Hafen von Tunis herrschte, wie erwartet großer Andrang. Noch steht alles schön in Reihen geordnet und wartet darauf, daß das Tor aufgeht.
Schädel Mein Kamelschädel sollte bei den tunesischen Zöllnern noch für ein wenig Verwirrung sorgen.

Wenn das Hafentor geöffnet wird, werden aus den 10 bis 15 Spuren im Vorhafengelände nur noch drei. Dann geht das große Geschubse und Gedränge wieder los. Besonders spaßig ist es, zu sehen, wie sich die Deutschen und Österreicher anstellen. Die fahren meist als letzte durch das Hafentor, obgleich sie schon deutschorthodox überpünktlich Stunden vor allen anderen am Hafen stehen, um einen guten Platz zu erwischen. Damit kommt man hier nicht weit. Man braucht so einem bloß "zu nah", das heißt auf einen halben Meter an den Karren zu fahren und schon bremst er und fällt zurück. Tja, wer bremst verliert. Anders die Araber. Die lassen sich dadurch nicht schrecken, weil sie wissen, daß keiner wirklich Lust auf eine Dulle hat, also fahren die und drängeln mit.
Die Fähre hatte Verspätung und die Warterei zehrte an den Nerven. Es herrschte eine ganz widerliche schwüle Hitze und die Klima funktioniert nicht, wenn der Motor nicht läuft. Und dafür, daß er nicht lief, sorgten allein die Zöllner.
Diese meinten auch, sich an meinem Kamelschädel aufhängen zu müssen, ein Zöllner nahm in vom Gepäckträger, trug ihn vor, legte ihn auf einen Tresen und rief seinen Vorgesetzten. Solange der nicht kam, ging ich schnell zum Auto, holte meine Arbeitshandschuhe aus dem Kofferraum und machte sie hinten am Koppel fest. Dann stapfte ich gemütlich wieder vor. Der Chef kam gerade auch aus seinem Büro und wir trafen uns alle drei am Kamelschädel. Der eine Zöllner sagte zum Chef irgendwas auf Arabisch und deutete dabei auf den Kamelschädel, auf den Benz und auf meinen Schädel. Dn Chef schien das gar nicht zu interessieren und er drehte den Schädel halb in Gedanken versunken zu sich und ließ ihn ganz plötzlich wieder aus, wohl als er auf die verwesenden Hautfetzen langte, die auf einer Seite noch weghingen. Dann schrie er den Zöllner an und lief weg und gab mir gestikulierend zu verstehen, daß ich das Zeug da wieder mitnehmen soll. Ich zog meine Arbeitshandschuhe an, nahm meinen Kopf und machte ihn wieder am Auto fest. Der Zöllner ließ mich in Ruhe, hatte immerhin wegen mir einen Anschiß bekommen, war auch gut so, soll sich gefälligst um seine eigenen Angelegenheiten kümmern.
Die "Dame M" traf mit über 3 Stunden Verspätung ein und erst um zehn nach sieben waren wir im Frachtraum.
Es war der 7.196. Kilometer dieser Reise, davon wurden 6.573 in Afrika zurückgelegt.


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