Afrika 2000
Dritte Etappe
Samstag, den 7. Oktober

Morgens Aufbruch in die Stadt. Erst zur Post fragen, ob was für uns dabei ist, dann mal ein wenig am Hafen rumgurken und schauen, was da sein könnte, was uns weiterhilft. Joe hatte sein Ticket in der Tasche. Jetzt fehlten nur noch drei. Das für das Auto - weniger das Problem - und das für Almut und mich - ganz großes Problem. Ohne Hoffnung, irgendwas zu finden, aber durchaus bereit, bis zum Äußersten zu gehen fuhren wir los auf der Suche nach irgendwas, einem kleinen Funken, einem Silberstreif.

Abidjan
Dieses Bild habe ich mir ausgeliehen. Normalerweise nicht der Fall, aber ich habe es schließlich gesehen, nur nicht photographiert. Als Entschädigung ist das Bild ein Link auf die
 Seite von Myriam-Eidam 

Vor dem großen Kreisel eine Verkehrskontrolle. Der Bulle konnte deutsch. Zwar nicht gut, aber man konnte sich verständigen und das war zwar gut für ihn, aber ein Deutscher, der aus einem - nein - dem deutschen Auto schlechthin aussteigt kann schlecht auf eine auf Deutsch formulierte Frage mit "Sprechen Deutsch Nein" antworten. Das klappt nur auf Französisch. Er verlangte die Papiere, ich gab sie ihm. Hier merkte zum ersten mal einer, daß mit meinem internationalen Führerschein etwas nicht stimmte.
Kurze Vorgeschichte. Mein Führerschein ist seit August 1999 entzogen. 21 Punkte wegen permanenter Geschwindigkeitsübertretung. Anno 1996 - damals hatte ich erst 14 Punkte - hatte ich mir einen internationalen Führerschein ausstellen lassen, der drei Jahre gültig ist. Nun hatte ich es aber 3 Jahre später versäumt, mir einen neuen ausstellen zu lassen und man kann ja schlecht mit einem Führerschein, der eigentlich entzogen sein sollte auf die Führerscheinstelle latschen und sich einen internationalen ausstellen lassen. Wahrscheinlich geht es doch, aber ich habe es nicht ausprobiert. Aber irgendwas mußte ich machen, denn ich hatte keine Lust, mir meinen nationalen in Afrika abnehmen zu lassen. Die Lösung lag auf der Hand - Think african. Als ich Igl in Tarifa traf hatte er, zuverlässig wie ein schweizer Uhrwerk, einen Datumsstempel mit dem dazugehörigen Kissen mitgebracht. Ich stellte das höchstmögliche Datum ein und verlängerte mir meine Internationale Fahrerlaubnis selbst. Zack! Gültig bis 31. Dezember 2002. Sah nicht unproffesionell aus für afrikanische Verhältnisse. War natürlich noch nicht ganz so afrikanisch, wie es sein sollte, denn die Schweizer, die wir in Dakhla trafen hatten den weit besseren Trick: Sie stellten sich ihren Führerschein und ihre Kfz-Papiere selbst aus. Mit Kopierer und ein paar Paßfotos. Das ist ganz praktisch, denn die kann man den Pennern dann als Geschenk überlassen und braucht sich nicht auf dumme Diskussionen einlassen.
Zurück nach Abidjan. Dieser Bulle sagte, dieser Führerschein sei 96 ausgestellt und nur 3 Jahre gültig. Nicht schlecht. War wohl an der Uni. Ich sagte ihm, daß er aber verlängert sei. Da ist der Stempel. Ich hatte es kurz vor der Abreise machen lassen und auf dem Amt hätten sie es einfach verlängert, weil ihnen die Führerscheine ausgegangen seien und außerdem sei für die Elfenbeinküste überhaupt kein Internationaler Führerschein vorgeschrieben, der nationale würde reichen und der ist unbegrenzt gültig. Vorgezeigt. Angriff abgewehrt. Es braucht keiner zu glauben, daß Westafrikanische Polizisten irgendein Empfinden dafür hätte, was korrekt, legal oder illegal sei. Man kann alle Papiere in Ordnung haben, er findet trotzdem was. Er will nur Geld, alles andere ist ihm egal. Man kann auch ganz ohne Führerschein fahren, dann muß man halt bei jeder Kontrolle blechen, sobald man bezahlt hat, kann man weiterfahren, als hätte man einen. Es ist keine Frage der Echtheit der Papiere, die können sie überhaupt nicht überprüfen. Er startet einen zweiten Angriff. Die Kanister seien verboten. Man darf keinen Kraftstoff transportieren. "Ja", sagte ich, "das sehe ich auch so. Ist schließlich gefährlich, deshalb transportiere ich auch nur das schwer entzündliche Wasser. Die da hinten sind für Diesel, habe ich in Mauretanien gebraucht, sind aber seitdem leer. Wenn Sie sich bitte vergewissern wollen..." Nö, dazu war er zu faul und überhaupt ist das nicht wichtig, ob voll oder leer, denn so ein Gepäckträger ist schließlich verboten. "So? Den hatte ich schon als ich in das Land kam. Wieso sagt man mir das nicht an der Grenze sondern erst hier?" Das wußte er nicht. Er wußte als Antwort nur zu sagen "Haben Sie hier irgendeinen anderen PKW gesehen, der einen Gepäckträger hat?" -"Nein. Das liegt vielleicht daran, daß keiner von denen aus Deutschland hierhergefahren ist, sondern in der Umgebung wohnt, oder?" Jetzt war er es, der keinen Bock mehr auf Diskussion hatte. Er blieb dabei und stellte eine Strafe von 30.000 CFA aus. 100 DM. "Du träumst doch wohl, oder? Geh doch arbeiten! Die zahle ich nicht." Er wollte wissen, wieviel ich bereit wäre zu zahlen? "Für was? Für nichts? Na, nichts, natürlich." Er stellte mir die Strafe aus. Die soll ich bei der Polizeiinspektion bezahlen. "Jaja, nächstes Jahr dann..." Da fiel mir der Trick mit der Nummer ein. "Wo ist überhaupt ihre Immatrikulationsnummer?" Die stünde auf dem Zettel. Die kann ich auch hinschreiben, aber ist mir egal, weil ich sowieso nicht zahle. "Du hast gegen ein Gesetz verstoßen, also fährst Du jetzt zur Polizeistation und zahlst Deine Strafe." - "Ohne Papiere fahre ich erstmal überhaupt gar nirgendwo hin, weil das ist ja illegal. Da müßt ihr mich schon hinfahren, das Auto bleibt solange da." Nein, das geht nicht. - "Doch", ich setze mich ins Auto und warte. "Almut, gib mit bitte 1.500 CFA." Irgendwann kommt der Depp wieder und fragt, ob ich jetzt zahle, ich halte ihm die 1.500 CFA hin und er geht wieder. "Almut, bitte noch einen Tausender." Als er wieder kommt, gebe ich ihm die 2.500, er gibt mir meine Papiere und wir fahren. Schweinepestbeule! 8.50 DM, eine halbe Stange Kippen! Und die Post können wir auch vergessen, denn nun ist's nach zwölf.
Wir fuhren zum Hafen und sahen uns ein Gebäude nach dem anderen genau an, welches aussieht, als könnte es was mit Verschiffung zu tun haben.
Pissen verboten!
Erstmal sahen wir nur ein etwas eigenartiges Schild.
 Schild vergrößern 

Irgendwann kamen nur noch Cementlagerhallen, dann drehten wir um. Ein blaues Gebäude an einer Straßenecke hatte diese Messingfarbenen Schilder an der Fassade, wie sie bei uns die Arztpraxen haben. Na, bitte, da war unser Silberstreif am Horizont. "Lloyd Brasileiro" stand auf einem diese Schilder. Auf den anderen stand New Orleans, Amsterdamm, Hamburg u.v.a.m.. Ich betrat das Gebäude, vor dem ein mit MP bewaffneter Ramboverschnitt saß. Es hieß, die Büros würden erst am Montag wieder aufmachen. Ich wollte schon zum Auto gehen, als ich einen Weißen sah, der in das Gebäude wollte. Ich sprang hin und sagte ihm genau das selbe, was ich dem Portier sagte. Er gab mir den Namen eines gewissen Mr. Du Crest, eine Büronummer und eine Uhrzeit, zu der ich erscheinen konnte. Das war mal was. Unser Silberstreif. Immerhin hatte er nicht gesagt, daß das völlig unmöglich sei.
Anschließend fuhren wir zum CapSud. Internet und anschließend einen Hamburger und eine Cola, zur Feier des Tages, denn ein eMail von Igl brachte die Stimmung - zumindest meine - wieder auf die Höhe.
Nachdem wir versucht hatten, das afrikanische Pfandflaschensystem zu enträtseln, es aber vorerst nicht geschafft hatten, fuhren wir zum Camping zurück und prompt kamen wir wieder in eine Polizeikontrolle. Er wollte Geld "Give me Money for Beer. <Grins>" Ich gab ihm 500 CFA und wir fuhren weiter. Da hab ich nichts dagegen. Besser als wenn er mir erzählen will, ich hätte was falsch gemacht.
Heute war wieder Ausgangssperre von 21:00 bis 06:00 Uhr angesagt und wir blieben schön brav auf dem Camping. An diesem Abend ging ich früher schlafen, weil die Cigaretten alle waren und ich keine mehr aufstellen konnte. Alles wie leergefegt.


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